Numismatik Lanz München   |   Auction 158   |   5 June 2014
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Lot 252



Estimate: 150'000 EUR   |   Starting price: 90'000 EUR Price realized: 280'000 EUR
GRIECHISCHE MÜNZEN
IONIEN
UNBEKANNTE MÜNZSTÄTTE
EPHESOS
PHANES (625 - 600). Stater, milesischer Standard. Äsender Hirsch nach rechts, entlang seines Rückens retrograd: ΦANOΣ EMI ΣEIMA ("ICH BIN DAS ZEICHEN/WAPPEN DES PHANES"). Rs: Drei unregelmäßige Quadrata Incusa. Gorny & Mosch Auktion 159 (8.10.2007), Los 188 (stempelgleich), Tkalec Auktion am 29.2.2000, Los 114, Gitta Kastner, Auktion 4 (27.28.11.1973), Los 98 (andere Stempel), BMC 1 (stempelgleich = Weidauer 39). 14,10g. Äußerst selten. Vorzüglich. Ex Slg. Jonathan Rosen, New York. Dieser Typus Münze gilt als älteste beschriftete Münze weltweit wodurch allein eine enorme historische Bedeutung zu konstatieren ist. Die Deutung der Legende ist bis heute umstritten. Hinter Phanes könnte sich ein Privatmann, Bankier, Beamter oder ein Tyrann (dessen Wappen der Hirsch war) verstecken, der mit seinem Namen und Wappen u.a. für den Wert der Münze bürgte und somit einen Meilenstein für das sich entwickelnde Geldwesen darstellt. Eine Deutung des Hirsches als Symbol der Artemis von Ephesos ist bereits widerlegt worden. Die bis heute bekannten Phanesmünzen gehören wohl zu den frühesten Zeugnissen, besitz- und hoheitsrechtanzeigende Siegelbildnisse auf normierte, wertbeständige, und allgemein akzeptierte Edelmetallstücke zu übertragen, um den umständlichen Tauschhandel (Ware gegen Ware) zu erleichtern. Die historische, kulturgeschichtliche und numismatische Bedeutung ist daher nicht hoch genug zu bewerten. Geschichtlich ist der Name Phanes wie oben erwähnt leider bis dato nicht fest zu verankern. Dass Phanes aus chronologischen Gründen nicht mit dem bei Herodot 3, 4, 11 erwähnten Söldnerführer des Kambyses zu identifizieren ist, konnte bereits E. S. G. Robinson ANS Centennial Publication, 1958, S. 585ff. aufzeigen. Auf eine andere Deutungsrichtung dieser Münze wies dankenwerterweise Konstantin Olbrich hin: F. Rebuffat (in: Mécanismes et innovations monétaires dans l'Anatolie achéménide, Symposium Istanbul 1997, Acta Anatolica 12, Paris 2000, 225-231) hat erstmals darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Legende auf den orphischen Urgott Phanes beziehen könnte, weil sich der Hirsch auf Dionysos (als Emanation des Phanes) beziehen ließe. Phanes selbst steht in den orphischen Texten für a) starkes Leuchten - es erstaunt und schreckt sogar die anderen Götter - und b) für einen zyklischen Wechsel von Weltaltern. Für beides wiederum ist der Hirsch ein sehr altes, kulturübergreifend verbreitetes Symbol: Das strahlenartige Geweih für das Licht bzw. die Sonne. Der Geweihzyklus für den Weltalterwechsel (siehe z.B. Philippus- oder Gallienus-SAECVLARES). Außerdem kann auf das Münzmetall selbst als Zeichen des Phanes angespielt worden sein: Es gibt ein orphischen Fragment, in dem Phanes den - ursprünglich metallen gedachten - Himmel den übrigen Göttern erstmal sichtbar machte, in dem er ihn zum Schmelzen brachte. Daher auch 'die' Zeichen des Phanes: Hirsch u n d Elektron. Die Zuweisung dieses Staters nach Ephesos erschließt sich nicht nur aufgrund seiner ikonographischen Darstellung. Auch die Gestaltung der Incusa auf der Rückseite und seine typologischen Querverbindungen macht diese Annahme naheliegend (vgl. hierfür Weidauer S. 68f).

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