Numismatik Lanz München   |   Auction 159   |   8 December 2014 Sort by Lot-NumberSort by Estimate
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Lot 573





Estimate: 2'500 EUR   |   Starting price: 1'500 EUR Price realized: 7'000 EUR
RÖMISCHE MÜNZEN
KAISERREICH
PROBUS (276 - 282)
Antoninian, 277/278, Siscia. IMP PROBVS P F AVG, Brustbild mit Strahlenkrone und Konsulargewand (trabea) nach links, in der Rechten Adlerzepter haltend. Rs: CALLIOPE - AVG, die Muse Calliope mit Diadem in Palla und mit auf die Hüften herabgeglittenem Mantel nach rechts stehend, den linken Fuß auf Globus (?) gesetzt, mit der Rechten auf einer großen Lyra spielend, die sie mit der Linken auf ihren Oberschenkel gestützt hält. RIC -; C. - (vgl. 83, andere Büste auf der Vs.); H. -; A. Alföldi, Siscia. Vorarbeiten zu einem Corpus der in Siscia geprägten Münzen V: Verzeichnis der Antoniniane des Kaisers Probus, Numizmatikai Közlöny 36-37 (1937-1938), Taf. VI und S. 65, 14 (die Exemplare der Slg. Gnecchi und Weifert zitiert); vgl. Numismatik Lanz, Auktion 100 (Slg. Leo Benz), 20.11. 2000, Nr. 419; vgl. Classical Numismatic Group, Triton IX, 10.01.2006, Nr. 1582; Hiland - Oliva 84. 3,65g. Äußerst selten, das fünfte bekannte Exemplar. Im Feld leicht geglättet, vorzüglich. Der vorliegende Antoninian mit der Rückseitendarstellung der Lyra spielenden Calliope, der Muse des heroischen Gesanges und der Elegie, gehört zu den seltensten Billonprägungen des Probus. Im 18. Jh. von A. Banduri (1718) und H. Tanini (1791) beschrieben und von J. Eckhel (1797) sowie H. Cohen (1865 und 1886 [2]) als außerordentliche Rarität eingestuft, scheint bis zum 2. Weltkrieg kein Exemplar bekannt geworden zu sein, sodass der Typ von P. Webb in dem entsprechenden Band des "Roman Imperial Coinage" von 1933 nicht berücksichtigt wurde. Selbst K. Pink (Der Aufbau der römischen Münzprägung in der Kaiserzeit VI/1: Probus, NZ 73, 1949, S. 49 Anm. 18) hielt daher das bei Cohen beschriebene Stück für eine Fälschung. A. Alföldi hingegen kannte zwei Exemplare in den Beständen des Museo Nazionale zu Rom und der Universität von Belgrad, die aus den Sammlungen F. Gnecchi bzw. G. Weifert stammten und von ihm in sein Corpus der im 3. Jh. in Siscia geprägten Münzen aufgenommen wurden. Anlass für die Wahl dieser ungewöhnlichen Rückseitendarstellung könnte die Anwesenheit des Probus in Siscia im Spätherbst 278 sein; dieser hatte 277 und 278 die Franken und Alemannen aus Gallien vertrieben, die Grenze durch einen Vorstoß über den Rhein gesichert und die in Raetien eingefallenen Burgunder, Goten und Vandalen zurückgeschlagen. Die Siegesfeierlichkeiten in der illyrischen Heimat des auf dem Marsch nach Osten befindlichen Kaisers haben insbesondere in der Münzprägung der Prägestätte Siscia ihren Niederschlag gefunden: Der Kaiser wird im Rahmen einer umfangreichen Festprägung, die auch Goldemissionen und Medaillone umfaßt (vgl. Gnecchi III, S. 67, 47 und Taf. 156, 20), nicht nur mit besonderen Büstendarstellungen und ungewöhnlichen Reverstypen, sondern auch mit Beinamen wie "Invictus" oder "Restitutor orbis" und schließlich sogar durch die Gleichsetzung seiner Siege mit den Taten des Hercules geehrt (vgl. Pink, a.O., S. 51f.). In dieses Umfeld fügt sich überzeugend das Bild der Calliope, nach Hesiod die vornehmste der Musen, die hier gleichsam die heroischen Leistungen des Kaisers besingt und ihnen damit Unsterblichkeit verleiht.

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