Numismatik Lanz München   |   Auction 160   |   15 June 2015
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Lot 824



Estimate: 20'000 EUR   |   Starting price: 12'000 EUR Price realized: 95'000 EUR
AUSLAND
SCHWEIZ
Karolinger
Karl der Große (768 - 814)
Tremissis, wohl vor 774 n. Chr., Chur. + D · O M · N : S CAROLVS, im Feld: RxF (darüber Verkürzungszeichen "Querstrich", darunter Abbrechungsszeichen liegendes S), alles im Wulstkreis. Rs: FL · AVIA · CVRIA · M ··, im Feld: CIVI (darüber Verkürzungszeichen "Querstrich"), unregelmäßige Verteilung von 16 Punkten im Feld, alles im Linienkreis. HMZ 1-398 Var. (dort andere Legende); Slg. Wüthrich -; Sambon Typ 557; Fritz Jecklin, Der langobardisch-karolingische Münzfund bei Ilanz, in: MBNG 1906/07, S. 56 Nr. 54; J. Strohtmann, Ilanz, in: Wandel und Konstanz zwischen Bodensee und Lombardei zur Zeit Karls des Großen, 2012, S. 239ff; Christoph Simonett, Die für Chur geprägte Goldmünze Karls des Grossen, in: Numismatica e Antichità Classiche v. VII (1979), Seite 275-278; Roberta Pardi, Le monete flavie nel corso del secolo viii : ipotesi ed interpretazioni, in: Rivista Italiana de Numismatica e Scienze Affini Vol. 100, 1999, S. 243ff. 0,95g. Von äußerster Seltenheit. Winziger Prüfschnitt am Rand, sehr schön. Breiter Schrötling. Karl wird auf dieser Münze, wie auch auf den anderen langobardischen Münzen dieses Typus ausdrücklich als "Dominus" bezeichnet, und nicht als König, der er ja nur ein fränkischer ist. Im Feld folgt zwar sogleich der königliche Titel (RxF - Rex Francorum), es kann diesem hier aber nur eine untergeordnete Rolle zugetragen werden. "Flavia" als Attribut des Prägeorts wird als Ausdruck einer gewissen Freiheit verstanden. Die Gens Flavia ist die kaiserlich römische Familie der Flavier. Der Name wurde vom späteren Langobardenkönig als Selbstbezeichnung gepflegt. Er benennt wohl die königlich staatliche Sphäre, also die Zugehörigkeit zum Paveser Königtum. Was eben auch für eine gewisse Freiheit von regionalen Gewalten spricht/zu sehen ist. Die Münze folgt eindeutig der langobardischen Tradition, enthält allerdings zwei Besonderheiten. Erstens, die Nennung Karls als REX FRANCORUM und zweitens die Qualifikation des Ortes Chur als CIVITAS, was für die anderen, italischen Orte auf Münzen dieses Typs nicht notwendig gewesen zu sein scheint (Pavia, Mailand, Lucca, Bergamo). Die Bezeichnung Chur als CIVITAS soll wohl die Bedeutung der Stadt/Bistum für sein Umland herausstellen. Fortführende Literatur zu dieser höchst interessanten Münze, welche im Spannungszeitraum des 8. Jh.`s geprägt worden ist, findet sich in den hier zitierten Werken. Bei dem "liegenden S" auf der Vorderseite scheint es sich um ein Abbrechungszeichen zu handeln, welches im Mittelalter üblich war und sich auf das F(RANCORUM) bezieht.

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