Paul-Francis Jacquier Numismatique Antique   |   Auktion 43   |   15 September 2017 Sort by Lot-NumberSort by Estimate
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Lot 542





Estimate: 1'000 EUR   |   Starting price: 900 EUR ---
HAUSHALTSGERÄTE. Prunkhenkel. Bronze, braungrüne Patina, L. 19,5 cm, H. 8,1 cm, in à-jour-Technik gearbeitet. Der flache, auf der Rückseite hohle Henkel zeigt auf der Vorderseite verschiedene Motivgruppen, die heraldisch um ein Zentralmotiv angeordnet sind. Zwei Nereiden lagern auf den langen, schlanken Leibern zweier Delphine. Sie sind am Kopf miteinander verbunden. Die l. Nereide trägt einen Gürtel und einen Armreif. Die äußeren Arme sind ausgestreckt. In der Hand halten die Meeresgöttinnen je einen Pinienzapfen. Mit den inneren Armen umfassen sie von unten eine große Muschel, die zwischen ihnen liegt und das Zentralmotiv der Gruppe darstellt. Die Beine der Nereiden folgen dem Verlauf der Delphinleiber. Ihre Füße sind in schwungvollem Bogen überkreuzt. Die Delphine halten mit ihren kantigen Mäulern die Enden der Muschel. Ihre gebogenen Körper enden in je einer dreizackigen Schwanzflosse mit kreisförmigen, eingravierten Ornamenten. Aus den Schwanzflossenansätzen und je einem Nereidenfuß entspringen die triangelförmigen Henkelschlaufen, die an ihren Innenseiten in je einen Bronzedorn auslaufen. Sehr seltenes Motiv. Römisch, 2. Jh. n. Chr. Vgl. zum Motiv A. Leibundgut, Die Römischen Bronzen der Schweiz III, Taf. 121 Nr. 98.
Der Typus dieses Prunkhenkels aus Bronze ist in Italien nicht bekannt. Die heraldische Anordnung und die betonte Frontalität deuten vielmehr auf eine provinzielle Herkunft. Dafür spricht auch das Verbreitungsgebiet, das sich auf England, das Rheinland, die Limesgegend und die Westschweiz beschränkt, s.o. Leibundgut S. 95; H. Jacobi, in Saalburger Jb. 7, 1930, 48ff, vermutet, daß diese Prunkhenkel zu Kultmöbeln gehörten. Der Symbolgehalt der einzelne Motive, die einen Bezug zu Tod und Jenseits aufweisen, scheint jene Vermutung zu unterstützen.
Die Nereiden spielten im Jenseitsglauben (Reise zu den Inseln der Seligen) eine Rolle, ebenso die Pinienzapfen, denen eine Todes- und Jenseitsbeziehung nachgesagt wurde. Auch die Delphine lassen sich in diesen Kontext einbinden, da Delphin”reiter”, als welche im übertragenen Sinne die Nereiden hier zu betrachten sind, Sinnbilder für die Überwindung des Todes waren.

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