Was ist der Startpreis?
In der Numismatik bezieht sich der Begriff „Startpreis“ fast immer auf das Eröffnungsgebot: den Betrag, zu dem ein Los aufgerufen wird und ab dem Gebote angenommen werden. Je nach Plattform/Regelwerk werden keine Gebote unter diesem Wert angenommen; der Startpreis ist somit die praktische Einstiegsschwelle für die Preisgestaltung.
Es ist wichtig, zwischen dem Schätzpreis (Steuer/Schätzung) und dem Startpreis zu unterscheiden: Der Schätzpreis ist ein Richtwert, während der Startpreis ein Ausgangspunkt für den Bietvorgang ist. In Auktionsbedingungen wird diese Unterscheidung manchmal ausdrücklich hervorgehoben (Katalogpreis = Schätzpreis).
Wie genau wird der Startpreis festgelegt?
1) Technische Bewertung: Was ist tatsächlich verfügbar?
Der erste Schritt ist die klassische numismatische Arbeit am Objekt. Das Auktionshaus bestimmt den Typ, den Nennwert, das Datum/die Prägeanstalt, ordnet Varianten zu und bewertet den Zustand. Kleine Unterschiede haben eine große Wirkung, insbesondere bei Münzen: Oberflächen, Zentrierung, Prägezustand, Patina, eventuelle Bearbeitungs- oder Randfehler können den Marktpreis erheblich verschieben. Diese technische Klassifizierung bildet die Grundlage für die Bestimmung, wo ein Los „realistisch” in ein Marktsegment passt.
2) Marktvergleich: Was haben ähnliche Stücke kürzlich erzielt?
Der nächste Schritt ist der Vergleich mit tatsächlichen Zuschlagspreisen. Auktionshäuser nutzen hierfür ihre eigenen Archive und öffentliche Ergebnisquellen. Als Sammler können Sie diesen Schritt leicht nachbilden, indem Sie auf Ergebnisportalen nach vergleichbaren Objekten recherchieren.
Ein praktisches Beispiel ist Sixbid.com oder das Sixbid Coin Collector’s Archive: Dort können Sie nach ähnlichen Losen suchen und sehen, wie sich die Zuschlagspreise für vergleichbare Objekte entwickelt haben. Sixbid selbst beschreibt den Vorteil darin, dass man mit nur wenigen Klicks die Entwicklung vergleichbarer Münzen, einschließlich der Zuschlagspreise, verfolgen kann.
Diese Art des Vergleichs ist auch für den Startpreis relevant: Wenn ein Auktionshaus sieht, dass vergleichbare Artikel kürzlich innerhalb einer bestimmten Spanne verkauft wurden, kann es den Startpreis marktgerecht festlegen – ohne den Bietprozess zu beeinträchtigen.
3) Hauspraxis: Startpreis im Verhältnis zur Bewertung
Wie „aggressiv” oder „konservativ” ein Startpreis festgelegt wird, hängt stark vom Auktionshaus und dem Format ab. In einigen Auktionsbedingungen sind sogar typische Faustregeln festgelegt. Ein Beispiel aus deutschen Auktionsbedingungen: Der Startpreis liegt „in der Regel ein Drittel“ unter dem Schätzpreis.
Auch international gibt es klar formulierte Gepflogenheiten; ein numismatisches Auktionshaus gibt beispielsweise an, dass die Gebote „in der Regel“ bei 80 % des Schätzpreises beginnen, sofern keine höheren Vorgebote vorliegen.
Solche Verhältnisse sind keine Naturgesetze, aber sie veranschaulichen die Berechnung: Der Startpreis sollte niedrig genug sein, um Gebote anzuziehen, und hoch genug, um sicherzustellen, dass das Los nicht „mit einer Ankündigung” unterhalb der realistischen Nachfrage startet.
4) Gebotsschritte: Der Startpreis muss „in die Skala passen”.
Neben der Bewertung und dem Marktvergleich spielt der Auktionsmechanismus eine stille, aber wichtige Rolle: die Gebotsschritte. Der Startpreis ist der erste Schritt – und nachfolgende Gebote müssen sich nahtlos in die Abfolge der Schritte einfügen. Plattformen erklären dies sehr direkt: Der erste Gebotsschritt ist der Startpreis; Gebote unter diesem Preis werden nicht akzeptiert, und nachfolgende Gebote basieren auf den gültigen Gebotsschritten.
Das mag trivial klingen, funktioniert aber in der Praxis: Ein „unregelmäßiger” Start kann den Gebotsfluss hemmen oder zu unnötigen Sprüngen führen, während ein angemessen festgelegter Start den Wettbewerb erleichtert.
Was der Startpreis aussagt – und was nicht
Der Startpreis ist keine endgültige Wertung, sondern vielmehr ein Instrument zur Eröffnung der Auktion. Er markiert den Beginn eines Preisbildungsprozesses, dessen endgültiges Ergebnis allein von Nachfrage, Wettbewerb und Zeitpunkt bestimmt wird. Wenn Sie den Startpreis einordnen möchten, sollten Sie ihn daher immer im Zusammenhang mit der Objektqualität und Vergleichsdaten lesen – und dafür sind Ergebnisportale wie Sixbid (in einigen Fällen) sehr hilfreich, da sie die Marktentwicklung vergleichbarer Objekte aufzeigen.
Referenzen und Empfehlungen
Kahnt, Helmut: Das große Münzlexikon von A bis Z. 2. überarbeitete Auflage. Regenstauf: Battenberg Verlag, 2005. (Siehe Stichworte „Taxe”, „Auktion”, „Schätzungspreis” und „Erhaltung” für Informationen zur Preisgestaltung numismatischer Lose.
Weitere Literaturempfehlungen:
Menzel, Peter: Deutsche Notgeldmünzen und andere Geldsurrogate 1840–1990. Gütersloh: Gietl Verlag, 1993. (Einführung in die Bewertung und Marktbeurteilung.)
Adams, John W.: United States Numismatic Literature, Vol. I. Crestline: Kolbe & Fanning, 2010. (Grundlagen der Bewertung, Seltenheit und Marktmechanismen.)